We Are Change Switzerland - J.P. Morgan erzittert im neuen Weltfinanzbeben

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J.P. Morgan erzittert im neuen Weltfinanzbeben

MM | Manipulierte Zinsen, gefälschte Dokumente, verschwundene Kundengelder: Die Liste der Bankenskandale wird länger. Eine neue Vertrauenskrise bricht aus, das Weltfinanzsystem zittert - und mittendrin steht häufig J.P. Morgan. Heute trat der Bank-Chef mit einem Milliardengeständnis vor die Öffentlichkeit.

New York - Jamie Dimon betreibt Imagepflege und wirbt um Vertrauen. Der Vorstandschef von J.P. Morgan wird heute nach der Präsentation der Quartalsbilanz die Analysten nicht zur üblichen Telefonkonferenz laden. Er wird sie persönlich in der Zentrale der Bank in New York begrüßen. Händedruck statt Einwahl-Code. Das Tête-à-Tête hat einen guten Grund: Die Wall Street muss eine Serie schwerer Skandale bewältigen, und in einigen davon spielt J.P. Morgan eine prominente Rolle.

Dimon musste im Mai Milliardenverluste aus einer fehlgeschlagenen Spekulation auf Zinsderivate zugeben. Das hat in der aktuellen Quartalsabrechnung ein Loch von 4,4 Milliarden Dollar vor Steuern gerissen, gestand Bank-Chef Dimmon heute öffentlich ein. Trotz dieser Verluste schaffte die Bank im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 4,96 Milliarden Dollar - und blieb damit nur knapp unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums von 5,43 Milliarden.

 J.P. Morgan ist aber auch im Visier der Finanzfahnder von Frankfurt über New York bis nach Tokyo, wo fieberhaft versucht wird, den Libor-Skandal aufzurollen. Den Klageschriften zufolge haben die Amerikaner von allen beteiligten Banken die Zinsen sogar am stärksten nach unten manipuliert, während die britische Barclays, die bereits eine Buße von einer halben Milliarde Dollar akzeptierte, noch am ehesten als Mitläufer durchging.

Und am 2. Juli verklagte die Federal Energy Regulatory Commission (Ferc) J.P. Morgan auf Herausgabe von E-Mails, die Licht in laufende Ermittlungen zur Manipultion des US-Energiemarkts bringen sollen.

Von März bis Juni 2011 hatten Stromnetzbetreiber ungewöhnliche Preisofferten für verfügbare Energie beobachtet. Die Ferc hat elf Untersuchungen wegen illegaler Preismanipulation in Kalifornien und dem Mittleren Westen der USA eingeleitet. J.P. Morgan Ventures Energy hat laut der Ferc Angebote abgegeben, die mindestens 73 Millionen Dollar regelwidrige Zahlungen an die Stromproduzenten nach sich zogen. Die Ferc nahm im Dezember auch die Deutsche Bank ins Visier.

Die Finanzbranche als kaum zu vermessender Sündenpfuhl und mafioses Kartell? Der Imageschaden jedenfalls ist schon jetzt nicht zu beziffern, das Vertrauen der Öffentlichkeit in Banken und Banker ist weitgehend dahin. "Die Leute an der Wall Street haben mit Ehrlichkeit nichts mehr am Hut", beklagt sich selbst Roger McNamee, der Mitbegründer des auf Medien- und Techfirmen spezialisierten Finanzinvestors Elevation Partners in New York, der ein Büro im Silicon Valley betreibt. "Der ganze Prozess der Kapitalbildung ist korrupt, das Verhalten der Nasdaq beispielsweise beim Börsengang von Facebook grenzte an Kriminalität", so McNamee.

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