04192014Sa

   Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heisst, ein Kind das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. - Jean Ziegler

Occupy-Inhaltsgruppe: Status Quo und Aufklärung

Seit dem 15. Oktober  wird auch die Schweiz von der Occupy-Bewegung besetzt. Die Politik und die Banken erwarten schon nach kürzester Zeit ausformulierte Inhalte und politische Forderungen. Die Paradeplatz-Besetzer, welche ihr Camp auf dem Lindenhof aufgeschlagen haben, sind seit dem ersten Tag dabei, Inhalte, Perspektiven und Forderungen auszuarbeiten. Die Website «occupyparadeplatz.ch» wird demnächst die Inhalte für die Arbeitsgruppen online zur Verfügung stellen. Es wird auch daran gearbeitet, sämtliche Occupy-Bewegungen von Genf bis Basel auf einer Webseite zusammenzuführen und die verschiedenen Inhalte und Forderungen international mit allen Besetzergruppen zu besprechen und im Konsens darüber zu entscheiden, welche Visionen umgesetzt werden. 

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Die wichtigsten und aussagekräftigsten Punkte, welche von einzelnen Menschen aus der Bewegung und Sympathisanten aufgesetzt wurden, werden nun in einem weiteren Schritt an den Vollversammlungen behandelt. Diese Auflistung ist noch nicht vollständig, sondern stellt ein Auszug dar, wie die Inhalte gegliedert werden.


  

1.   Finanzwesen

 

1.2.Aufklärung

 

1.2.1.Geldschöpfung

Laut Artikel 99 der Bundesverfassung hat der Staat die Hoheit über die Geldschöpfung. Die Privatbanken dürfen jedoch nach heutigem Bankengesetz ein Vielfaches des Geldes, das Ihnen anvertraut ist, als Kredit herausgeben. Sie schöpfen damit selber Geld aus dem Nichts, die reale Wirtschaft bezahlt aber für diese Kredite Zinsen, die die Banken einstreichen.

 

1.2.2.Spekulation

Banken und vermögende Privatpersonen spekulieren mit ihrem Kapital auf dem Aktien-, Devisen- und Rohstoffmarkt und treiben so auf der Jagd nach schnellem Gewinn die Preise und Devisenkurse in die Höhe. Das Geld entzieht sich der Wirtschaft, weil es virtuell schneller vermehrt werden kann. Es ist also nicht zu wenig Geld vorhanden, es ist nur am falschen Ort.

 

1.2.3.Zins

Das Kapital stellt sich nur zur Verfügung, wenn es rentiert und ist ständig auf der Suche nach der höchstmöglichen Rendite. Je mehr Kapital sich angesammelt hat, desto höher sind die Kapitalgewinne die ihm zufliessen. Dies hat eine Umverteilung des Geldes dahin zur Folge, wo bereits am meisten ist. Wir erleben heute den Höhepunkt dieser Umverteilung. 1 % besitzt mehr als die Hälfte des Vermögens. Je grösser die Not und die Unsicherheit des Gläubigers ist, desto höhere Zinsen ist er bereit zu bezahlen.

 

1.2.4.Bodenrecht

Wenn man dem Kapital erschwert oder verwehrt sich mit Spekulation und Zinsen zu vermehren, wird es vehement versuchen in den Boden- und Immobilienmarkt zu investieren, um da eine Rendite zu holen. Der Boden ist aber Lebensraum und darf, wie das Geld, nicht Spekulationsobjekt sein. Er muss der Allgemeinheit gehören. Er dürfte eigentlich nur noch im Bau- und Nutzungsrecht gegen eine Pacht benutzt werden. Die Gemeinde kommt mit den Pachteinnahmen für die Infrastruktur auf, das heisst, sie finanziert den öffentlichen Verkehr, die Erschliessung, den Strassenbau, die öffentlichen Gebäude wie Schulen etc.).

 

1.2.5. Soziale Ungleichheit

Die Tatsache, dass 3% der schweizerischen Bevölkerung 97% des Gesamtvermögens aller SchweizerInnen besitzt, führt zu einer krassen ungleichen Verteilung von Freiheit (vgl. Mäder “Wie Reiche denken und lenken”; andere Statistiken zeigen z.B., dass 10% der Bevölkerung 70% des Gesamtvermögens besitzt vgl. SGB Verteilungsbericht 2010). Diese Tatsache widerspricht die Grundsätze unserer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft, welche allen - wenn nicht gleiche, doch ähnliche - Freiheitsmöglichkeiten gewährleisten muss. Banken erzeugen keinen Mehrwert, sondern verteilen den erarbeitete Reichtum von unten (Löhne) nach oben (Kapitalvermehrung). Somit ermöglichen Banken die Wirtschaftselite ihr Vermögen zu vermehren und die Ungleichheit zu reproduzieren.    


2.     Gesellschaft & Wirtschaft

 

Gesellschaftlich-ökonomische Veränderung kommt vom Individuum und nicht vom System (Wirtschaft/Politik). Also müssen wir bei uns selber beginnen.

 

2.1. Ganzheitliches Menschenbild

- Wir müssen unsere  Gesellschaft so organisieren, sodass sie die individuelle und kollektive  immung aller Menschen ermöglicht und fördert! Hier sind  Gerechtigkeit und Freiheit kein Gegensatz, sondern bedingen einander.

 

2.2. Freiheitsbegriff

-  Stärkere Beteiligung der Erwerbsarbeit am  Produktivitätsgewinn (so  wird die Schere zwischen "arm und reich" bzw.  zwischen "Arbeit und  Kapital" zum Teil begrenzt/unterbunden; vgl. Ota  Sik "Ein  Wirtschaftssystem der Zukunft")

 

- Transparenz bezüglich der Finanzierung der politischen Parteien und der politischen Kampagnen


2.3. Konsumgesellschaft
Die proaktive Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten, setzt innere Prozesse in Gang welche die Notwendigkeit einer bewussten Handlung lancieren . Über das Konsumverhalten (Nachfrage), wird auch das Angebot bestimmt. Die Industrie ist dazu verdammt, auf einem Planeten mit begrenzten Rohstoffen stetiges Wachstum zu fördern um die Schuldlast zu mindern. Die Übersättigung des Marktes und die Verschmutzung der Umwelt durch die Güterproduktion und –vernichtung wird unweigerlich in der Frage münden; Welche Produkte benötigen wir und in welcher Form wird der Wert dieses Produkts abgegolten.

 

2.4. Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen wird dominiert von der Pharmaindustrie, welche von kranken Menschen profitieren, denn gesunde Menschen rentieren nicht. Mit Interessensvertretern im Parlament, mischt auch die Pharma in politischen Entscheidungen mit, wie z.B. bei den Prämien der Krankenkassen, die Anwendung von Generika zur Kostensenkung oder die Forderung für Zwangsimpfungen zur Prävention von Pandemien/Epidemien. Das Gesundheitswesen muss grundlegend verändert werden, der Profit darf besonders im Gesundheitsbereich nicht als oberste Priorität gesehen werden. Das Gesundheitswesen wird wiederum von der Finanzindustrie beherrscht, welche den Wachstum fördern und angewiesen ist auf eine ungesunde Lebensart, die zu Krankheiten führen und mit kostspieligen Therapien oder Operationen behandelt werden können.

 

2.5. Schul- und Bildungssystem
Grundlegende Veränderungen im Schulplan müssen angestrebt werden. Die Einflüsse der Grosskonzerne auf die Bildung, besonders auf Hochschulen und Universitäten müssen überdacht werden. Die Konditionierung welche in den Schulen stattfindet, muss analysiert werden. Welche Werte werden vermittelt und welches Bewusstsein wird angestrebt. Das Prinzip der leistungsorientierten Schulkultur steht der individuellen Talentförderung entgegen.

 

Privatschulen sollen der Staatsschule gleichgestellt werden um eine freie Schulwahl zu gewähren. www.elternlobby.ch

 

2.6.Landwirtschaft
Der Welthandel mit Lebensmittel in diesen Finanzsystem zerstört die kleinräumigen Strukturen und liefert schlechtere Qualität, da die Hinwendung zur Industrie-Produktion immer offensichtlicher wird und die Landwirtschaft im eigentlichen Sinne mehr und mehr verdrängt. Konzerne nutzen diese Situation aus und versuchen den Markt zu monopolisieren (wie z.B. beim Saatgut). Internationale Standards und Lebensmittelbestimmungen werden immer industriefreundlicher und der Gesundheitsaspekt nimmt an Bedeutung ab. Die Produktion wird künftig von den grössten Nahrungsmittelkonzernen beherrscht, während die Pharma-/Chemie-Lobby mit allen Mitteln versucht den Gen-Food durchzudrücken.

Urbanagriculture
Permakultur
Alternative Währung/ Zeittausch
Freiwilligen Arbeit
Gemeinschaftsbildung
www.fruehlingsmaerchen.net



Die Arbeits- & Inhaltsgruppen treffen sich täglich on 17:00 - 19:00 Uhr, danach wird zur Vollversammlung aufgerufen. Der Besuch von Ex-US-Senator und Präsidentschaftskandidat Mike Gravel am Montag und sein Vortrag am Dienstagabend im Zirkuszelt auf dem Lindenhof, hat bereits schon neue Ideen geweckt um die Souveränität des Volkes zu stärken und die repräsentativen Elemente (Parlamente, Regierungen) zu umgehen.

Gravel betonte mehrmals, das Instrument der direkten Demokratie, ohne Einflussnahme der Politik, ist der Weg wie man die Forderungen der Occupy-Bewegung durchsetzen und am Finanzsystem was ändern kann. "Die Macht der Gesetzgebung muss in die Hand des Volkes", sagte er. "Mit diesem Instrument kann man alle Veränderungen vornehmen."

"Wenn man davon ausgeht, das Volk ist der Souverän, wie es in den meisten Verfassungen festgeschrieben ist, dann muss auch das Volk direkt die Gesetze machen können und nicht ausschliesslich die Vertreter der repräsentativen Demokratie."

Er sagte weiter, "Ich war lange genung in der Legistlative als Senator, ich weiss wie es funktioniert. Politiker denken, sie wissen mehr als die Bevölkerung. Das stimmt nicht, denn die Bürger sind nicht dumm, zusammen wissen sie mehr und können die besseren Lösungen bringen. Ausserdem sind Politiker nur an ihrem Machterhalt interessiert und vertreten die Interessen von denen die ihren Wahlkampf finanzieren oder die finanzstärkste Lobby haben."

Als Quintessenz sagte er: "Vertraut nicht den Politikern und Regierungen. Ihr müsst die Gesetzgebung selber in die Hand nehmen, denn eine Änderung der Gesellschaft kann nur über Gesetze erreicht werden." Deshalb, direkte Demokratie mit der Betonung auf direkt, ohne Wenn und Aber.


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