08272016Sa

   Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit. - Anatole France

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Die Nationalbank und das liebe Geld

snbIn der Broschüre „Die Nationalbank und das liebe Geld“ beschreibt unsere Zentralbank, was Geld ist und wie es in Umlauf gebracht wird. Dort liest sich beispielsweise, dass unser Geld ungedeckt ist (S. 10), dass der Anspruch auf unser Geld bei privaten Geschäftsbanken mehrfach vergeben wird (S. 18) und sogar dass die Banken „in grosse Schwierigkeiten geraten würden“ wenn alle Leute ihr Geld abheben wollten (S. 23). Es ist nachvollziehbar, dass die Banken in Schwierigkeiten kommen, wenn die Kunden das Geld ausbezahlt haben wollen, welches die Banken garnicht besitzen. Doch warum ist das so, ist das nicht Betrug? Nein, das ganze ist legal und nennt sich Fractional Reserve Banking, zu Deutsch Mindestreservebankwesen.

Das bedeutet, dass es gesetzlich geregelt ist, wie viel elektronisches Geld die Banken erschaffen dürfen, bzw. wie häufig die Banken den Anspruch auf das eingelegte Geld vergeben dürfen. Die Geldschöpfung der Banken geschieht durch die Vergabe von Krediten. Bei der Kreditvergabe geht das Geld nicht aus den Beständen der Banken hervor, sondern wird zusätzlich zu diesen geschöpft. Dieses Giralgeld, welches bereits über 90% der Geldmenge ausmacht ist im Gegensatz zu Zentralbankgeld (Bargeld und Zentralbankbuchgeld) kein gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel. Dadurch wird die Bundesverfassung Art.99, welche die Geldschöpfung dem Staat vorbehält umgangen. 
 
Wir verwenden Giralgeld als ob es Zentralbankgeld wäre, jedoch hat dieser juristische Unterschied eine tiefgreifende Bedeutung, denn die Banken können nur Giralgeld schöpfen, wofür Sie eine Mindestreserve an Zentralbankgeld als Grundlage benötigt. Wieviel Zentralbankgeld bei den Banken eingelegt sein muss, ist von Land zu Land unterschiedlich und variiert zwischen nahezu Null und 25%. Im Nationalbankgesetz wird unter Artikel 18 Abs. 2 geregelt, dass die Mindesreserve „4 Prozent der kurzfristigen, auf Schweizerfranken lautenden Verbindlichkeiten der Banken nicht überschreiten darf“. In der Botschaft über die Revision des Nationalbankgesetzes liest man auf Seite 6215: "Gegenwärtig liegt der Mindestreservesatz bei 2,5%".

Die Banken haben den vollen Nutzen aus den Geldern, die sie durch den Kreditprozess erzeugen. Der Kreditvertrag berechtigt die Bank Geld in einem Buchungssatz zu erzeugen und dem Kreditnehmer auf einem Konto zur Verfügung zu stellen. Der Kreditnehmer verpflichtet sich im Gegenzug die entstandene Schuld zurückzuzahlen (Tilgung) samt Gebühr (Zins) und Gebühr auf die Gebühr (Zinseszins) und muss Eigentum benennen welches in den Besitz der Bank überführt werden kann, wenn der Kredit nicht zurückgezahlt wird (Dingliche Sicherheiten). Die Bank verlangt Zinsen auf Geld welches sie aus dem Nichts erzeugt hat, ohne dass Sie dabei ein Risiko tragen muss. Obwohl das zur Verfügung gestellte Geld selbst keinen Eigenwert haben kann, da es lediglich als Information im Computer einer Bank erzeugt wurde, werden reale Werte in den Besitz der Bank überführt wenn der Kreditnehmer den Kredit nicht zurückzahlen kann. Der Staat, der selbst der grösste Schuldner der Banken stellt, setzt diese Forderungen  mittels der Gerichte durch.

Wenn das Eigentum des Schuldners verpfändet wurde, oder die Schulden zurückbezahlt werden, gleicht sich die Bilanz der Bank wieder aus, wodurch Geld und Schuld vernichtet werden. Geld entsteht aus Schulden und durch Schuldentilgung wird Geld wieder vernichtet.
Unsere gesamte Geldversorgung ist abhängig von Schulden, da alles im Umlauf befindliche Geld aus Kreditgeschäften hervorging. Es ist auf der Grundlage dieses Systems für die gesamte Gesellschaft unmöglich, schuldenfrei zu leben, da entgegen der weitläufigen Annahme, nicht mehr, sondern überhaupt kein Geld mehr in Umlauf wäre, wenn wir alle Schulden zurückbezahlen würden. Es wirft auch die Frage auf, woher denn das Geld kommen soll um die Zinsen zu zahlen, wenn doch alles sich im Umlauf befindliche Geld ebenfalls als verzinste Schuld erschaffen wurde. Wenn man dieses System versteht, wird deutlich, warum es seitens der Banken kein Interesse daran gibt, ein solches System zu verändern, oder die Problematik auch nur zu thematisieren. Für die Mehrheit der Menschen ist es nach wie vor völlig unvorstellbar, dass das gesamte globale Finanzsystem auf diese bizarre Weise funktioniert und unsere Lehrer, Journalisten und Politiker uns nie davon erzählt haben. WeAreChange Switzerland fragte daher Nicolas Cuche-Curti von der Schweizerischen Nationalbank bezüglich der von der SNB beschriebenen Geldschöpfung an. Herr Cuche-Curti ist „Deputy Head of Inflation Forecasting“ bei der Schweizerischen Nationalbank und gab in E-Mails freundlicherweise Auskunft zu unseren Fragen, lesen Sie dazu unsere Korrespondenz:

WAC: Gerne würde ich die Broschüre "Die Nationalbank und das Liebe Geld“ nachbestellen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen um Ihnen eine Frage zu der auf Seite 18 geschilderten Geldschöpfung durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken zu stellen. In der Broschüre wird erklärt:

"Die Bank leiht von den 20'000 Franken, die der Sparer einbezahlt hat, 16'000 Franken als Kredit... Der Sparer hat noch immer 20'000 Franken auf seinem Konto. Der Unternehmer verfügt als Kreditnehmer über 16'000 Franken. Die Geldmenge hat also um 16'000 Franken zugenommen"

Inwiefern wird neues Geld geschaffen, wenn die Bank das Geld aus dem Konto des Sparers verleiht?

Weshalb verringert sich nicht der Kontostand des Sparers, aus dessen Konto die 16'000 Franken entnommen wurden?

SNB: Die Situation ist folgende: Wenn Person A zu einer Geschäftsbank geht und 20'000 CHF einbezahlt, hat er das Geld zwar physisch nicht mehr in der Hand, aber er besitzt es ja immer noch elektronisch auf seinem Sparbuch. Die Bank könnte das Bargeld nun in ihrem Tresor aufbewahren und warten, bis Person A es wieder abholen kommt. Daran würde sie aber nichts verdienen. Deswegen verleiht sie 16'000 CHF an Person B, welche zum Beispiel ein Start-Up gründen möchte.

Person B muss für das Geld einen Zins bezahlen, bis er es wieder vollständig zurückbezahlt hat. Einen Teil dieses Zinses gibt die Bank weiter an Person A, da dieser der Bank sozusagen sein Geld geliehen hat. Der Rest stellt einen Gewinn für die Bank dar.

Wie wird Geld geschaffen: Person A besitzt nun 20'000 CHF auf seinem Konto und Person B hält 16'000 CHF in bar. Dies ergibt die Summe von 36'000 CHF, 16'000 CHF mehr als vor den Transaktionen. Sie fragen, warum sich nicht der Kontostand von Person A um 16'000 CHF verringert, wenn das Geld doch weiterverliehen wird. Das ist bargeldtechnisch natürlich der Fall, da die Bank nur noch 4'000 CHF in Noten hält und Person B die restlichen 16'000 CHF. Jedoch befinden sich auch noch die 20'000 CHF von Person A in der Volkswirtschaft. Person A kann nämlich jederzeit wieder auf sein Geld zugreifen, wenn er möchte. Er muss nicht darauf warten, bis Person B seinen Kredit zurückgezahlt hat.

Das Geld in der Volkswirtschaft hat sich also vermehrt, da Person B 16'000 CHF in bar hat und Person A 20'000 CHF in elektronischer Form. Person A wird all seine Entscheidungen so treffen, wie wenn er die 20'000 CHF immer noch bar hätte, d.h. das Geld ist nicht aus dem Markt verschwunden. Der Unterschied liegt zwischen der Bargeldmenge (im Beispiel 20'000 CHF) und der totalen Geldmenge inklusive Konten (im Beispiel 36'000 CHF). Man könnte sich fragen, warum Person A nicht Angst hat, dass er sein Geld nicht mehr bekommt, da es ja nun an Person B verleihen wurde. Dies ist aber anscheinend nicht der Fall. Das System funktioniert deshalb gut, weil die Leute Vertrauen zu dem Bankensystem haben. Die Geschäftsbanken müssen einen bestimmten Teil der Einzahlungen als Reserven halten (z. B. 20% = 4'000 CHF). Die Summe dieser Reserven muss so gross sein, dass jederzeit allen Anfragen nach Bargeld problemlos Folge geleistet werden kann.

WAC: Wenn ich Sie richtig verstanden habe werden im Sinne der Geldmenge die 16'000 Franken neu geschöpft als Buchgeld durch die Kreditgewährung und werden nicht aus den Einlagen bei der Bank entnommen.

SNB: Die Person, die die 16000.- bekommt, darf sie aber bar nach Hause mitnehmen. Oder sie in der Bank lassen und die Bank kann Kredite für 12800 anbieten.

WAC: Die Mindestreservevorschrift dient als Vorgabe für die Banken und besagt, wie viel Prozent des Geldes tatsächlich eingelegt worden sein muss, um dieses als Kredite vergeben zu dürfen. Ist das so korrekt?

SNB: hier bleiben in diesem Fall die 4000.- in der Kasse der Geschäftsbank.

WAC: Die Broschüre führt dann weiter aus: "Wenn nun der Unternehmer mit den 16'000 Franken Computer kauft und der Computerhändler den erhaltenen Barbetrag auf seiner Bank einbezahlt, wird diese wiederum einen Teil davon als Kredit ausleihen. Dies führt abermals zu einem Anstieg der Geldmenge; die Geldschöpfung geht weiter."

SNB: Richtig, die Geldschöpfung geht weiter und weiter, ist aber nicht endlos (Ihre Frage unten). Mit einem Reservensatz von 20%, gibt es eine "Hebelwirkung" von 5 (1/0.2), d. h. eine maximale Geldschöpfung von 100'000.- (d. h. 5 X 20000.- oder die Summe von 20000+16000+12800+10240+8192+… (jedesmal 80% der letzten Zahl).

WAC: Wenn das Geld also wieder auf einer Bank landet, dient es erneut als Geldbasis zur Kreditvergabe, dieser Prozess kann also immer wieder durchgeführt werden und nahezu unbeschränkt viel Buchgeld erschaffen. Ist das korrekt? Das Irritierende an den Ausführungen zur Geldschöpfung finde ich den Ausdruck des "Geld ausleihens", denn wenn das Geld tatsächlich aus den Beständen der Banken entnommen wäre, würde kein zusätzliches Geld geschaffen werden, die Geldmenge wäre unverändert.

Ausschnitt aus Money as Debt zur Veranschaulichung:
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Fazit: Es ist höchste Zeit, dieses Finanzsystem grundlegend zu ändern und hier tut sich was bei der „Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung“. Die INWO ist dabei, die „Vollgeldinitiative“ zu starten, die die Geldschöpfung durch Privatbanken verbieten soll und nur der Nationalbank erlaubt, das Geld zu schaffen. Dieses soll ausschliesslich durch Staatsausgaben in Umlauf gebracht werden und nicht als verzinste Schuld. Diese Initiative ist eine einfache Gesetzesänderung, würde jedoch einer Revolution gegen die dominierende Finanzindustrie nahe kommen, da Ihr die göttliche Macht, Werte aus dem Nichts zu erschaffen, entzogen würde. Dass die Geschäftsbanken das Geld aus dem Nichts schöpfen, zum vollen Nennwert in Umlauf bringen und dafür auch noch Zinsen kassieren, ist wohl der grösste Betrug unter dem die Menschen leiden. Die Steuern werden zu einem grossen Teil dafür verwendet, die Zinsen auf die Staatsschulden bei den Banken zu bezahlen, welche jedoch niemals abgetragen werden können. Wir bezahlen lediglich Zins und Zinseszins, während die Verschuldung weiter konstant wächst und bereits über 80% unseres BIP umfasst. Dieses Finanzsystem ist ein System einer selbstlaufenden, sich zuspitzenden, modernen Sklaverei, welche laufend mehr Wohlstand dem Volk entzieht um es den Bankern auszuhändigen. Das Ganze ist nichts anderes als Enteignung und verdeckte Besteuerung durch Inflation. Nehmen wir den Banken die Macht, das Geld zu erschaffen und beenden diese Sklaverei. Dann müssen sich die Parteien nicht mehr darum streiten, ob man bei den Steuern oder Sozialleistungen einsparen soll, sondern können sich streiten, ob man das neu verfügbare Geld nutzen will, um die Staatsschulden abzuzahlen oder ein Grundeinkommen einzuführen. Es ist höchste Zeit, das Problem an der Wurzel zu packen und nicht länger auf die Politiker reinzufallen, die sehr gut damit leben, mit Symptombekämpfung auf Stimmenfang zu gehen.

Andrew

"Es ist gut, dass die Menschen des Landes unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst, so glaube ich, hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution."
Henry Ford